Unsere News
Jugend debattiert!
Von: Steffen Doberschütz
Auch in diesem Jahr haben WiR uns am Wettbewerb „Jugend debattiert“ auf regionaler Ebene beteiligt. Mit dabei waren die Borwinschule, das Käthe-Kollwitz-Gymnasium und die Werkstattschule. Die SchülerInnen der Sekundarstufen I und II debattierten dabei lebhaft und natürlich kontrovers, z.B. ob Tierversuche an Affen und Halbaffen verboten werden sollen, ob es erlaubt sein soll, mit 14 Jahren noch auf dem Gehweg Rad zu fahren oder aber ob ein zentrales bundesweit einheitliches Abitur den bestehenden Zustand der Länderregelungen ändern soll.
Nicht nur die die Qualifikationsrunden am 18. Januar 2010 gestalteten sich spannend, auch die Finalrunden am darauf folgenden Tag fesselten uns – und das nicht nur als Zuschauer, sondern auch als Debattanten und Juroren.
Während des Wettbewerbs konnten sich zwei unserer SchülerInnen für das Landesfinale am 08. April 2010 im Schweriner Landtag qualifizieren.
Herzlichen Glückwunsch Wibora Broschinski und Moritz Otto und ein Danke an alle Beteiligten!
Was wird der Mensch?
Von: Steffen Doberschütz
Diese Frage kam auf die Schüler des 9/10er Jahrgangs zu, die sich im Rahmen der vergangenen Projektwoche am philosophischen Literaturwettbewerb der Universität Rostock beteiligten.
Vorgaben gab es wenige: Es sollte ein literarischer Text werden, und der Text sollte nicht mehr als drei Seiten lang sein.
Heraus kamen tolle und kreative Texte, die Antworten aus den unterschiedlichsten Perspektiven geben. Auch die Jury der Universität Rostock wusste das zu schätzen: Von 78 Texten, die aus ganz MV eingereicht wurden, sind die sechs besten ausgewählt worden – vier davon von Schülern der Werksattschule!
Auf einer öffentlichen Lesung werden am 26. Februar 2010 von 11.00Uhr-13.00Uhr im Rostocker Peter-Weiss-Haus Anici Drechsler, Laura Götz, Mara Randt und Wibora Broschinski ihre Texte vortragen.
Toll gemacht!
Dinnerabend
Liebe Familien, liebe Freunde, liebe Schüler,
WiR, die 11. Klasse, möchten Sie ganz herzlich am Freitag den 29. Januar 2010 einladen, in der Aula der Werkstattschule zu dinieren.
Ab 19.00 Uhr werden Sie bedient und bekocht von unseren einzelnen Teams.
Der Erlös des Dinnerabends wird in unsere Londonreise, die nach Pfingsten stattfindend wird, investiert.
Wir freuen uns über jeden der kommt. Bitte melden Sie sich, falls Sie es noch nicht getan haben, über den Rückmeldezettel an. Dieser war Bestandteil der Einladung. Sie können sich auch per Mail verbindlich anmelden. Termin: 22.01.: thamacher@werkstattschule-in-rostock.de
Wir bieten Ihnen unterschiedliche Gerichte an, mit denen Sie Ihr eigenes Menü zusammenstellen können. Die Vorspeise – ein Salatbuffet - bleibt aber bei allen gleich.
Der Preis pro Menü beträgt 14,50 €.
Neonazi-Aussteiger als mahnendes Vorbild
Von: Robert Scholz (Endstation Rechts)
Steckbrieflich ist Jörg Fischer-Aharon gesucht worden, 10.000 Euro war er den Verfassern wert. Der Grund: Der heute 39-Jährige ist aus der rechtsextremen Szene ausgestiegen. Am Dienstag war er in Rostock und sprach mit Schülern der Werkstattschule über seinen Weg in die Szene.
Gut 70 Schüler drängen sich in der Mensa der Werkstattschule um sich anzuhören, wie Fischer-Aharon in die Fänge der Rechtsextremisten geraten konnte: Mit 13 Jahren wollte er eigentlich nur ein Formular bei einer Behörde abgeben, was Fischer-Aharon zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Sein Gegenüber war stellvertretender Kreisvorsitzender der NPD in Nürnberg. Von ihm bekam er die ersten Propaganda-Materialien und Einladungen zu Stammtischen. Es folgten immer mehr Termine, Hausaufgabenbetreuung, Freizeitfahrten – komplette Wochenenden verbringt er mit den so genannten Kameraden: „Man wird von den Rechtsextremisten total vereinnahmt“, erklärt der Aussteiger. Mit 14 wird er Mitglied der Jungen Nationaldemokraten, dem Jugendverband der NPD, später sogar stellvertretender Bezirksvorsitzender.
Auf Einladung der Initiative ENDSTATION RECHTS. und dem Landtagsabgeordneten Mathias Brodkorb, der zu den Mitbegründern der Initiative gehört, kam Fischer-Aharon in die Werkstattschule und suchte das Gespräch mit Schülern, um ihnen mahnendes Vorbild zu sein. Viele der Anwesenden mussten schon eigene Erfahrungen mit Rechtsextremen machen. Einer erlebte mit, wie seinem Freund von rechtsextremen Schlägern die Pulsader mit einer Bierflasche aufgeschlitzt wurde. Aber auch von Pöbeleien und Diskriminierungen berichten die Schüler.
Dafür, dass die Veranstaltung nicht mit dem pädagogischen Zeigefinger daherkommt, sorgt Fischers lockerer Vortragsstil. Mit Humor enttarnt er die Widersprüche der Rechtsextremisten. So zum Beispiel die Parole, dass die Ausländer den Deutschen die Arbeitsplätze wegnähmen mit der die NPD und ihr Spitzenkandidat Udo Pastörs 2006 zunächst in den Wahlkampf und dann in den Landtag zog. Diese Behauptung sei absurd, so Fischer-Aharon: „Weniger als zwei Prozent der Bürger Mecklenburg-Vorpommerns sind Ausländer, die Arbeitslosenquote liegt aber bei 12 Prozent. Das funktioniert dann ja nur“, rechnet der Aussteiger vor, „wenn diese zwei Prozent sechs Mal so fleißig sind wie die Deutschen.“ Viele Schüler sind unsicher, ob sie trotz des ernsten Themas lachen dürfen. Das ist auch so, wenn Fischer-Aharon von den holprig "eingedeutschten" Begriffen spricht. Aus dem T-Shirt wird bei den Rechtsextremisten das T-Hemd, aus dem Internet das Weltnetz, aus der Homepage das persönliche elektronische Schaufenster und aus einer Musik-CD eine Lichtstrahlmusikabspielscheibe.
Etwas weltfremd wirkt das schon, doch das Weltbild der Rechtsextremen beginnt Fischer erst Anfang der 90er Jahre zu hinterfragen, vor allem die Ausschreitungen in Hoyerswerda, Solingen und Mölln hätten ihm die Augen geöffnet. Auch seine sexuelle Orientierung, Fischer ist homosexuell, stand in einem krassen Widerspruch zur rechten Ideologie. Es gab Plakate auf denen stand „Normal, nicht schwul, NPD“, so Fischer-Aharon, „dabei gibt es sogar Leute im Bundesvorstand, die schwul sind.“
Zehn nach zehn haben die Schüler eigentlich ihre Frühstückspause, doch das stört auch viertel nach zehn noch niemanden: „Wussten die, dass Sie schwul sind?“, „Glauben Rechtsextreme wirklich, dass farbige Menschen dümmer sind?“, „Standen Sie nach Ihrem Ausstieg auf einer schwarzen Liste?“ – Viele Fragen haben die Schüler an den Aussteiger, alle kann er nicht beantworten, die Zeit ist zu kurz. Fischer-Aharon muss noch zur Hundertwasserschule in Lichtenhagen und am Abend nach Neubrandenburg. Noch die ganze Woche besucht er mit Unterstützung von ENDSTATION RECHTS. Schulen im gesamten Land.
www.endstation-rechts.de
Lesetipp: Tino Strempel „Eine neue Schule in einem neuen Land“
Von: Sabine Hilliger
Im letzten Jahr hat die Werkstattschule in Rostock ihr zehnjähriges Jubiläum gefeiert. Viele haben dieses ungewöhnliche Schulprojekt vom ersten Tag an oder zumindest über viele Jahre hinweg begleitet. Und einer hat sich die Zeit genommen, den Werdegang der WiR zu beschreiben.
Im Oktober ist im Schneider Verlag Hohengehren in der Reihe „Grundlagen der Schulpädagogik“ das Buch „Eine neue Schule in einem neuen Land“ von Tino Strempel erschienen. Viele kennen ihn als Lehrer für Geschichte, Deutsch und GeWi. Er hat von 1999 bis 2008 an der WiR unterrichtet und ist zurzeit an der Universität Rostock im Bereich Didaktik der Geschichte tätig. Seine Erfahrungen beim Aufbau der Schule, Höhen und Tiefen im Umgang mit den Schülerinnen und Schülern, mit Eltern, Kolleginnen, Kollegen oder auch Ämtern und Behörden hat er notiert und damit ein wichtiges Dokument für die Geschichte und das Selbstverständnis der WiR geschaffen.
Das Buch ist nicht einfach nur ein pädagogischer Leitfaden, sondern beinahe ein Roman – ein Buch, das sich spannend liest vom Anfang bis zum Ende. Es gestattet viele persönliche Einblicke und transportiert die Überzeugung, dass eine moderne Schule nicht nur solides Wissen vermitteln muss, sondern auch Werte und Verantwortungsbewusstsein der nächsten Generation(en) entwickelt und prägt.
Es ist zu wünschen, dass möglichst viele Menschen dieses Buch lesen – und zwar jeder aus seinem persönlichen Erfahrungshintergrund. Egal, ob man seit zehn Jahren oder erst seit zehn Wochen oder auch noch gar nicht mit der WiR zu tun hatte: Man kann sich erinnern, man kann lernen, man kann den Mut finden, Änderungen anzupacken.
Die Schulbibliothek verleiht das Buch und wer es selbst kaufen möchte, kann es unter der ISBN 978-3-8340-0605-9 im Buchhandel bestellen (18 Euro).


