Phasen einer Werkstatt, illustriert am Beispiel "Europa" – einer Werkstatt in der 5/6

Auftakt

Den Willkommensgruß zur Werkstatteröffnung in verschiedenen europäischen Sprachen bringen die Lehrer in landestypischen Kostümen vor, gefolgt von einer Kinoaufführung mehrerer europäischer Kurzfilme im Originalton. Weiter geht es in der Stammgruppe: Auf einem von Schülern gefertigten Europapuzzle nehmen Urlaubssouvenire ihren Landesplatz ein. Erfahrungen mit den europäischen Nachbarn werden ausgetauscht und Vorträge im Morgenkreis über alle Staaten Europas geplant. Nach einer gemeinsamen Stärkung mit Leckerbissen, die ihren Ursprung im europäischen Ausland haben und doch im Supermarkt um die Ecke zu haben sind, gibt es endlich die dicke Werkstattmappe. Neugierig beginnt das Durchstöbern…

Arbeit an der Werkstattmappe

An den Eröffnungstag schließen sich drei Wochen anstrengender und selbständiger Lerntätigkeit an, in denen es gilt, das Thema Europa von der Steinzeit bis zur EU – Erweiterung in vielen Facetten zu beleuchten. Dieser Kontinent, seine Geschichte und seine Geschichten, seine gegenwärtige und zukünftige Entwicklung, warten darauf entdeckt zu werden. Nicht nur die Lehrer reichen dabei helfend die Hand. Auch Eltern und Großeltern unterstützen ihre Kinder durch Interesse an ihrer Arbeit und Zeit für gemeinsame Gespräche. Ihr Blick auf Europa, ihre individuellen Erfahrungen helfen, die Bedeutung des Themas noch besser zu erfassen. So werden mit dieser Werkstatt Grundlagen für eine solide Allgemeinbildung, für Toleranz und europäisches Bewusstsein gelegt.

Mit der Mappe erhält jedes Kind ein kleines Lerntagebuch. Jeden Tag reflektiert es darin seine Arbeitsweise und das Vorankommen. Ist ein Kapitel fertig bearbeitet, wird es von einem Lehrer auf Vollständigkeit durchgesehen und abgezeichnet. Am Ende der Werkstattzeit vergleichen die Schüler ihre Selbsteinschätzung mit dem ausführlichen Worturteil der Stammgruppenbetreuer. In Deutsch und Englisch finden zusätzlich fachliche Bewertungen von Einzelthemen statt. Dieses geschieht anhand der bearbeiteten Materialien oder in einem Test nach der Werkstattzeit.

Aktionen

Innerhalb der Morgenkreise sind interessante Gesprächspartner anwesend, die vom eigenen Leben in europäischen Nachbarländern berichten. Ein besonderer Höhepunkt wartet in der 2. Werkstattwoche auf uns. Je zwei Stammgruppen können gemeinsam eine unserer europäischen Nachbarhauptstädte besuchen. Unser Schulbus bringt uns über die Strecke Rostock - Gedser nach Kopenhagen. Mit unserer Dänischlehrerin Frau Kropf-Thiel haben wir die ideale Reisebegleiterin, die uns ortskundig durch Kopenhagens Sehenswürdigkeiten führt. Nachhaltig bleibt das Erlebnis allen im Gedächtnis. Auch deshalb, weil jeder einen Touristen in Kopenhagen auf Englisch angesprochen und interviewt hat.

Projektwoche

Die vierte Woche der Werkstatt ist einzelnen Projekten gewidmet. Entsprechend den Wünschen der Kinder und je nach Möglichkeiten der Lehrer und Helfer gibt es verschiedene Projektgruppen, die ein breites Spektrum an Tätigkeiten umfassen (künstlerisch, sportlich, handwerklich, theoretisch...). Jedes Kind wird unter Berücksichtigung seiner Wünsche einer Gruppe zugeordnet und arbeitet dann eine Woche den gesamten Schultag an seinem Projekt.

Folgende Projekte stehen im Rahmen der Europa – Werkstatt zur Auswahl:

  • Flaggen nähen
  • Theater
  • Spiele erfinden
  • Modelle europäischer Bauwerke herstellen
  • Trickfilmwerkstatt
  • Europäisch kochen
  • Leben in der Steinzeit

Präsentation

Der Höhepunkt zum Werkstattabschluss liegt ganz in den Händen der Schüler. Am letzten Tag der Projektwoche arbeiten sie noch einmal emsig an einer würdigen Präsentation und laden am Nachmittag alle Interessierten ein, ihre Werke zu betrachten, zu verkosten, zu erleben und zu benutzen…

 

Beschreibung einer Schülerin

Nach der Werkstatteröffnung bekamen wir unsere Werkstattmappen. Diese Werkstatt beschäftigte sich mit Europa - seiner Geschichte, Topographie und Kultur. Von da an hatten wir drei Wochen Zeit um die Werkstatt im Unterricht zu bearbeiten.
Im Deutschkapitel verglichen wir Deutsche Märchen und Sagen mit welchen die aus der Türkei, Griechenland und Russland kamen. Wir hatten sogar die Möglichkeit, ein Theaterstück oder ein Hörspiel zu machen. Für GEWI hatten wir zwei Kapitel, in denen wir uns mit der Geschichte Europas in der Vergangenheit und Gegenwart beschäftigten. Hier haben wir uns z. B. auch mit Ötzi beschäftigt. Im Spanischkapitel haben wir gelernt, wie man das Wetter beschreibt und wie man Vergleiche anstellt. Das Englischkapitel handelte von einem Jungen, der eine Reise rund um Europa machen wollte. In allen Fächern, die nicht in der Werkstatt waren, hatten wir ganz normalen Unterricht.
Am Ende jedes Werkstatttages schreiben wir in unser Lerntagebuch, was wir gemacht haben, wo wir gerade sind und welche Probleme wir haben.
Jede Werkstatt endet mit einer Projektwoche. Am Ende der dritten Woche können wir uns für ein Projekt entscheiden. Erst- Zweit- und  Drittwunsch werden dabei berücksichtigt. Mein Erstwunsch war Spanien und in diesem Projekt war ich letztendlich auch. Am Montag traf sich unser Spanisch-Projekt. Wir wollten einen Stierkampf inszenieren und Flamenco tanzen. Ich entschied mich für Flamenco. Den Ersten Tag machten wir aber nicht sehr große Vorschritte. Doch für den nächsten Tag hatte Herr Prado eine Flamencotänzerin eingeladen, die uns half und mit uns übte. Am Freitag war dann die Präsentation. Diese durften wir im LT- Club machen und am Ende sollten alle Eltern abstimmen, was ihrer Meinung nach der Beste Auftritt war. Es begann mit England. Spanien war relativ am Ende. Wir tanzten und bekamen am Ende viel Applaus. Beim Stierkampf verlor unser Stier zwar ein Horn, doch es hat allen sehr gefallen. Wir bekamen für den Flamenco den dritten Platz und ich verließ mit meinen Eltern glücklich und zufrieden den LT- Club.
Das war einen sehr schöne Werkstattzeit.